Molino Stucky Denkmal

Ehemalige neugotische Industriemühle aus dem 19. Jahrhundert, heute in ein Hotel und Kongresszentrum umgewandelt.

Das Molino Stucky, die industrielle Kathedrale der Giudecca

Mit seiner gewaltigen Backsteinfassade, die das westliche Ende der Giudecca beherrscht, ist das Molino Stucky eines der spektakulärsten Zeugnisse der Industriegeschichte Venedigs. Der Unternehmer Giovanni Stucky errichtete seine erste Mühle auf der Insel in den frühen 1880er Jahren an der Stelle des ehemaligen Klosters San Biagio e Cataldo. Der Komplex wurde anschließend kontinuierlich erweitert, um der schnellen Produktionsentwicklung gerecht zu werden.

Die Silhouette, die ihn heute sofort erkennbar macht, entstand vor allem in den 1890er Jahren, als Stucky dem deutschen Architekten Ernst Wullekopf die Errichtung neuer Speicher und eines imposanten Turms übertrug. Sichtbares Backsteinmauerwerk, Giebel, Fialen und Türmchen sind von der mittelalterlichen und neugotischen Architektur Nordeuropas inspiriert, eine damals in Venedig besonders ungewöhnliche Formensprache. Das Projekt stieß zudem auf Vorbehalte, da es der traditionellen Architektur der Stadt fremd war.

Eine echte Fabrik im Herzen der Lagune

Das Molino Stucky war weit mehr als eine einfache Mühle. Dank seiner Lage direkt am Giudecca-Kanal konnte das Getreide mit dem Schiff ankommen und in einem Industriekomplex verarbeitet werden, der nach und nach mit Silos, Lagerhäusern, Werkstätten und mechanischen Anlagen ausgestattet wurde. Die Mahlkapazität von etwa 600 Zentnern pro Tag im Jahr 1884 erreichte später rund 2.500 Zentner pro Tag. 1903 kam eine große Pastafabrik hinzu, und der Komplex beschäftigte auf seinem Höhepunkt bis zu etwa 1.500 Personen.

Diese Tätigkeit erinnert an eine oft vergessene Facette der Giudecca: Im 19. und 20. Jahrhundert beherbergte die Insel Mühlen, Fabriken, Werften und Werkstätten neben Kirchen und Gärten. Das Molino Stucky wurde zum monumentalsten Symbol dafür und veränderte nachhaltig die Silhouette dieses Teils der Lagune.

Der restaurierte Komplex wurde am 1. Juni 2007 unter dem Namen Hilton Molino Stucky Venice wiedereröffnet. Trotz seiner neuen Funktion bewahrt die Außenansicht die monumentalen Volumen, die hohen Backsteinfassaden und mehrere Elemente, die an die alte Fabrik erinnern. Seine Umnutzung ist heute eines der sichtbarsten Beispiele für die Wiederverwendung des venezianischen Industrieerbes.

Besichtigung: Das Molino Stucky ist heute in erster Linie ein Hotelkomplex und lässt sich daher nicht wie ein Denkmal oder Museum besichtigen. Seine Fassaden sind von den Fondamenta der Giudecca aus frei zu sehen und besonders beeindruckend von den Zattere am gegenüberliegenden Ufer. Die Skyline Rooftop Bar bietet außerdem einen weiten Panoramablick über Venedig und den Giudecca-Kanal; die Zugangsbedingungen und Öffnungszeiten sollten beim Hotel erfragt werden, da derzeit eine Reservierung erforderlich ist und der Ort bei privaten Veranstaltungen geschlossen sein kann.

Quellen und Informationen

Archeologia Industriale – Geschichte und Architektur des Molino Stucky ; Treccani – Storia di Venezia, Krise und Schließung des Molino Stucky ; Hilton Molino Stucky Venice – Geschichte des Komplexes und aktuelle Informationen.

Karte und Route

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