Campo dei Mori Platz
Kleiner Campo in Cannaregio, bekannt für seine in die Mauern eingelassenen Statuen und die Erinnerung an die Händlerfamilie Mastelli.
Campo dei Mori, Statuen und Legenden von Cannaregio
Der Campo dei Mori ist ein kleiner Platz in Cannaregio, nur wenige Schritte von der Kirche Madonna dell'Orto entfernt. Man kommt weniger wegen eines zentralen Monuments hierher als wegen einer Reihe besonderer Details: in die Fassaden eingelassene Statuen, alte Mauern, enge Gassen und eine nachbarschaftliche Atmosphäre. Genau dieser fast häusliche Charakter macht seinen Reiz aus.
Der Name des Campo wird traditionell mit der Familie Mastelli in Verbindung gebracht, wohlhabenden Kaufleuten, die aus Morea, dem alten Namen des Peloponnes, stammten und sich im Mittelalter in Venedig niederließen. Drei Brüder, Rioba, Sandi und Afani, werden der Überlieferung nach mit den seltsamen Steinfiguren in Verbindung gebracht, die rund um den Platz zu sehen sind. Ihre genaue Identifizierung bleibt jedoch ungewiss: Die Statuen scheinen erst lange nach der Zeit angefertigt worden zu sein, in der die drei Kaufleute in Venedig eingetroffen sein sollen.
Diese orientalisch gekleideten Figuren zeugen jedenfalls von der Vorstellungswelt, die mit den Handelsbeziehungen zwischen Venedig und dem östlichen Mittelmeerraum verbunden ist. Eine vierte Figur, etwas abseits stehend, wird manchmal als Diener dargestellt. In der Nähe befindet sich auch der Palazzo Mastelli del Cammello, der ehemalige Familiensitz, dessen Fassade am Kanal ein erstaunliches Flachrelief zeigt, das einen Mann darstellt, der ein Kamel führt.
Sior Antonio Rioba, eine Statue, die sprechen konnte
Die berühmteste Figur ist Sior Antonio Rioba, die an der Ecke des Campo steht. Da seine ursprüngliche Nase im 19. Jahrhundert verschwunden war, wurde sie durch ein Metallstück ersetzt, das zu einem seiner Erkennungszeichen wurde. Die Volkstradition schreibt ihm sogar Glück bringende Eigenschaften zu, sofern man ihn berührt.
Um die Mastelli hat sich auch eine viel weniger schmeichelhafte Legende entwickelt. Die drei Brüder sollen versucht haben, eine fromme Venezianerin bei einem Handelsgeschäft zu betrügen; diese soll die göttliche Gerechtigkeit angerufen haben, und die Kaufleute wären sofort in Stein verwandelt worden. Die Erzählung hat natürlich nichts Historisches, aber sie erklärt wunderbar, wie Venedig einst ausländische Händler in Gestalten seiner städtischen Folklore verwandelt hat.
Der Campo dei Mori lässt sich in wenigen Minuten besichtigen, aber es lohnt sich, sich Zeit zu nehmen, um die Fassaden und Skulpturen zu betrachten, statt ihn einfach nur zu durchqueren. Er zeigt ein Venedig aus kleinen Zeichen, Spitznamen, mündlichen Überlieferungen und Erinnerungen an den Mittelmeerhandel, die fernab der großen offiziellen Denkmäler überlebt haben.
Der Besuch lässt sich natürlich mit dem Haus des Tintoretto verbinden, das ganz in der Nähe liegt, sowie mit der Kirche Madonna dell'Orto. Zusammen ergibt dies einen der interessantesten Spaziergänge im Norden von Cannaregio zwischen religiösem Erbe, alten Wohnhäusern und Volkslegenden.
Quellen und ergänzende Informationen
Venezia Unica - Cannaregio ; Le Routard - Campo dei Mori ; Corriere del Veneto - Sior Antonio Rioba.
Karte und Route
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