Insel San Giorgio Maggiore Insel
Insel gegenüber von San Marco, bekannt für die Basilika von Palladio, den Campanile und die Fondazione Giorgio Cini. San Giorgio Maggiore eignet sich für einen Ausflug von San Marco aus; das Ensemble ermöglicht es, fast ein Jahrtausend venezianischer Geschichte auf engem Raum zu durchwandern. Und vor allem bietet die Insel einen offenen Blick auf Venedig.
Insel San Giorgio Maggiore, Venedig im Gegenschuss
\r\nDie Insel San Giorgio Maggiore liegt im Becken von San Marco, direkt gegenüber der Piazzetta und dem Dogenpalast. Obwohl sie klein ist, nimmt sie einen bedeutenden Platz in der venezianischen Landschaft ein: Ihre Basilika aus weißem Marmor, ihre Kuppel und ihr Campanile bilden vom Ufer von San Marco aus eine der berühmtesten Silhouetten Venedigs. In wenigen Minuten mit dem Vaporetto gelangt man so vom monumentalen Herzen der Stadt zu einer viel ruhigeren Insel, auf der Raum und Vegetation einen ungewöhnlichen Platz zurückgewinnen.
\r\nDie Insel war bereits in der Antike besucht und trug einst den Namen Insula Memmia. Eine erste, dem heiligen Georg geweihte Kirche wurde im 9. Jahrhundert dort errichtet. Im 982 schenkte der Doge Tribuno Memmo die Insel dem Mönch Giovanni Morosini, damit dieser dort ein Benediktinerkloster gründete. Dieses entwickelte sich allmählich zu einem wichtigen religiösen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum, das eng mit der Republik Venedig verbunden war.
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\r\nInsel San Giorgio Maggiore
\r\nDie Basilika von Palladio und die Meisterwerke von San Giorgio
\r\nIm 16. Jahrhundert begann das Kloster mit einem tiefgreifenden Wiederaufbau seines monumentalen Ensembles. Andrea Palladio wurde mit der neuen Basilika beauftragt, die 1566 begonnen wurde. Er entwarf auch das Refektorium und einen der Kreuzgänge. Die Fassade der Kirche, die nach seinem Tod zu Beginn des 17. Jahrhunderts vollendet wurde, überlagert geschickt mehrere Formen, die vom antiken Tempel inspiriert sind, um sie an die Volumen einer christlichen Kirche anzupassen. Von San Marco aus gesehen kontrastiert ihr Weiß mit den Ziegeln des Klosters und trägt vollständig zur Komposition des Beckens bei.
\r\n\r\nDas Innere ist das Gegenteil der dekorativen Fülle vieler venezianischer Kirchen: geräumig, hell und sehr geordnet, es basiert auf klassischen Proportionen, großen weißen Flächen und einer Architektur, die die Werke großzügig atmen lässt. Im Chor befinden sich insbesondere zwei der letzten großen religiösen Gemälde von Tintoretto, Das Abendmahl und Das Volk Israel in der Wüste, auch bekannt als Die Ernte des Manna, die zwischen 1592 und 1594 entstanden. Kürzlich restauriert, haben sie 2026 ihren Platz in der Basilika wieder eingenommen.
\r\nDer Campanile von San Giorgio Maggiore ist die andere große Attraktion des Besuchs. Der heutige Turm wurde Ende des 18. Jahrhunderts nach dem Einsturz des Vorgängers aus dem Jahr 1774 wiederaufgebaut. Von seiner Spitze aus umfasst der Blick den Markusplatz, den Dogenpalast, die Einfahrt zum Canal Grande, die Giudecca, die Salute und einen großen Teil der Lagune. Der Abstand verändert die Wahrnehmung Venedigs völlig: Denkmäler und Viertel sind nicht mehr eine Abfolge von Fassaden, sondern finden ihren Platz in einem geografischen Ganzen wieder.
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\r\nVom Benediktinerkloster zur Fondazione Giorgio Cini
\r\n\r\nDie Geschichte der Insel endet nicht mit der Renaissance. Nach dem Fall der Republik 1797 und den Umwälzungen der napoleonischen Zeit wurde das Kloster zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgehoben und ein großer Teil des Komplexes militärisch genutzt. Diese lange Besetzung führte zu einer erheblichen Beschädigung der Gebäude und zur Zerstreuung eines Teils ihres Erbes.
\r\nEin neuer Abschnitt begann im 1951, als Vittorio Cini die Fondazione Giorgio Cini zum Gedenken an seinen zwei Jahre zuvor verstorbenen Sohn Giorgio gründete. Ziel war es, das ehemalige Kloster zu restaurieren und die Insel dem kulturellen Leben Venedigs zurückzugeben. Die Stiftung wurde zu einem wichtigen internationalen Forschungszentrum, das sich insbesondere der Kunstgeschichte, der Musik, dem Theater, der Geschichte Venedigs und dem Kulturerbe widmet.
\r\nDer Besuch des Komplexes ermöglicht es, Räume zu entdecken, die von San Marco aus meist unsichtbar sind: Kreuzgänge, alte Klostersäle, Bibliotheken, Gärten und einen bewaldeten Park. Mehrere Teile tragen die Handschrift großer Architekten, von Palladio bis Baldassare Longhena. Die Insel beherbergt auch Ausstellungen, Konzerte und zeitgenössische Kreationen, insbesondere im Auditorium Lo Squero, einer ehemaligen Werkstatt direkt an der Lagune.
\r\nIm Park befinden sich auch die Vatikanischen Kapellen, die 2018 für die erste Teilnahme des Heiligen Stuhls an der Architekturbiennale von Venedig entstanden. Zehn internationale Architekten entwarfen ebenso viele kleine unabhängige Architekturen, die seither zu permanenten Installationen geworden sind. Der Rundgang verleiht der Insel, die lange vom benediktinischen Leben geprägt war, eine ziemlich unerwartete zeitgenössische Dimension.
\r\nSan Giorgio Maggiore eignet sich besonders gut für einen kurzen Ausflug von San Marco aus, verdient aber mehr als eine einfache Hin- und Rückfahrt zum Campanile. Die Basilika, die Werke Tintorettos, die alten Klostergebäude und die Räume der Fondazione Cini ermöglichen es, fast ein Jahrtausend venezianischer Geschichte auf sehr engem Raum zu durchwandern. Und vor allem bietet die Insel das, was dem Besucher, der in den Gassen Venedigs versunken ist, oft fehlt: die notwendige Distanz, um die Stadt als Ganzes zu betrachten.
\r\nQuellen und weitere Informationen
\r\nAbtei San Giorgio Maggiore - offizielle Website ; Fondazione Giorgio Cini - Insel San Giorgio Maggiore ; Fondazione Giorgio Cini - Geschichte und Aktivitäten ; Louvre-Museum - Die Hochzeit zu Kana.